Dominik Gemperli quadrat - la coeur a des raisons que la raison ne connait pas (Blaise Pascale)

Dominik Gemperli

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“La coeur a des raisons que la raison ne connait pas” (Blaise Pascale)

Wir alle stehen täglich vor Entscheidungen. Oder sind mit Entscheidungen konfrontiert, die uns und unser Leben betreffen. Aus einer rationalen Perspektive mag manche Veränderung kaum erklärbar erscheinen. Oder wenig Sinn ergeben. Nicht für einen durchschnittlich vernunftbegabten Menschen. Und schon gar nicht für einen Physiker wie Blaise Pascale. Umso erstaunlicher seine Einsicht, dass die Vernunft wohl nie den Entscheidungen des Herzens die Stirn bieten kann. Das mag situativ ernüchtern. Und enttäuschen. Es kann dann und wann auch als Erklärung dienen. Nicht alles, was in unserem Leben passiert, genügt rationalen Begründungen. Und trotzdem – oder gerade darum – müssen Veränderungen akzeptiert werden.

In einem politischem und gesellschaftlichen Kontext macht mir hingegen die zunehmende Emotionalisierung Sorgen. Wir wähnen uns in einer freiheitlichen Gesellschaft, sind aber kaum noch bereit, Widerspruch zu akzeptieren. Oder anders ausgedrückt: Wir nehmen andere Meinungen als Ausdruck eines demokratischen Grundrechts zwar zur Kenntnis, setzen uns aber nicht mehr inhaltlich mit dem Gegenüber oder seiner Meinung auseinander, sondern pflegen einen Gesinnungsmoralismus, den ich in vielen Bereichen als schwierig empfinde.

Beispiel gefällig? Gestern Abend hat sich Markus Lanz in seiner Talkshow in einer eher selbstgefälligen Weise über die Covid19 -Infektion des US-Präsidenten und Teile seiner Entourage amüsiert und mittels TV-Ferndiagnose und unter Bezugnahme auf externe Gutachter die Schwächung des US-Präsidenten medizinisch festgestellt. Weil es ja nicht sein kann oder sein darf, dass ein übergewichtiger und zugegebenermassen nicht sonderlich sympathischer Präsident, eine Covid-Infektionserkrankung anscheinend schadlos übersteht. Im Anschluss wurde – ebenfalls mittels TV-Ferndiagnose – der Infektionsherd beinahe zentimeterscharf lokalisiert und unter Referenznahme auf eine Veranstaltung im Freien die Verantwortungslosigkeit der ganzen anwesenden Politelite an den Pranger gestellt.

Ziemlich überheblich und selbstgerecht. Eigentlich eine Kommunikation und Berichterstattung jenseits der Faktenlage und damit ziemlich genau jenem Bereich zuzuordnen, welcher – zu Recht – kritisiert wird, wenn es um die Einordung der Thesen der Corona Leugner geht: Nämlich ohne Bezugnahme auf Tatsachen und einzig vor dem Hintergrund der eigenen Meinung. Aber klar, das ist nicht vergleichbar.

Ich glaube, wir tun gut daran, den inhaltlichen Diskurs wieder vermehrt zu suchen und mit Fakten zu argumentieren. Auch wenn die Gegenmeinung vielleicht nicht gefällt oder nicht dem “Main-Stream” entspricht. Die Tendenz einer zunehmenden Emotionalisierung und Spaltung der Gesellschaft hat nach meiner Meinung auch damit zu tun, dass wir das Gegenüber zwar aussprechen lassen,  ihm aber kaum noch zuhören. Einem Gesinnungsmoralismus verpflichtet, der keinen Widerspruch duldet. Schade.

 

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